Bandmaschine Studer A81

Die Studer A81 ist eine Weiterentwicklung der Studer A80. Von ihr wurden nur ca 300 Stück speziell für den Deutschen Rundfunk gebaut. Der Hauptunterschied ist, dass die Bänder auf der Aussenseite statt auf der Innenseite bespielt wurden.

Doch zunächst noch einmal zurück zur A80. Sie wurde zwischen 1970 und 1988 gebaut und war die erfolgreichste Maschine aus dem Hause Studer. ABBA, Pink Floyd, Frank Zappa, Allan Parsons und viele andere Künstler produzierten Ihre LPs auf einer Studer A80. Es handel sich um eine Zwei-Spur-Maschine, auch Mastermaschine genannt. Üblicherweise nimmt man immer erst alle Instrumente (Schlagzeug, Bass, Gitarre usw.) auf seperaten Spuren auf. Früher z.B. auf einer 16-Spur-Bandmaschine, heute geschieht das im Computer. Diese Mehrspuraufnahme wird dann wieder abgespielt, über ein Mischpult „abgemischt“ und schließlich erneut aufgenommen, dann aber auf einer Zweispur-Maschine in Stereo. An dieser Stelle kamen nun Mastermaschinen wie die A80/81 zum Einsatz. Das übernehmen heute zwar auch oft digitale Geräte oder ein Computer. Aber es gibt immer noch einige Produzenten, die den analogen Sound dieser alten Maschinen lieben und A80s und A81s in Ihren Studios nutzen.

Die A80 und später auch die A81 galten als unkaputtbar. Es gab keine komplizierte Elektronik wie bei jüngeren Geräten. Die deutschen Rundfunkanstalten orderten eine ganze Reihe dieser Geräte für Ihre Studios. Da man dort jedoch gewohnt war mit der sogenannten Deutschen Schichlage zu arbeiten (Magnetschicht des Bandes aussen) konstruierte man bei Studer die A80 um, indem man einfach den Wiedergabe- und Aufnamekopf um 180 Grad nach oben drehte. Warum das der Deutsche Rundfunk so wollte ist wieder eine andere Geschichte. Es ist aber kein Problem, mit einer A80 aufgenommenen Bänder auf einer A81 abzuspielen und umgekehrt. Man kann das Band kurz hinter der Spule einfach auf die Rückseite drehen.

Vorher

So sah die Studer A81 vor ihrer Verwandlung aus.

Nachher

Die Maschine bekam ein speziell angefertigtes neues Gehäuse aus massivem Nussbaum. Die Seitenteile haben eine Dicke von 35 mm.

Die Elektronik #1

Sie befindet sich auf einzelnen Karten im unteren Bereich der Maschine. Diese sind von vorne leicht zugänglich und einzeln entnehmbar.

Die Elektronik #2

Es gibt mehrere solcher Karten, z.B. für die Audio Aus- und Eingänge, und die Laufwerk-Steuerung. Darauf befinden sich Bauteile (Elkos bzw. Kondensatoren und Potentionmeter) die einem gewissen Alterungsprozess unterliegen und nun nach ein paar Jahrzehnten gegen hochwertigere neue Bauteile ausgewechselt wurden.

Die Maschine wurde also vollständig „recapped“!

Rückseite

Hier ein Bild von der Rückseite der Maschine. Die vielen schwarzen Kabel rechts sind Y-Kabel, die das Signal splitten und zu den VU-Meter leiten. Der rote Kasten rechts ist der Trafo für die Beleuchtung der VUs.

Baujahr

Das genaue Baujahr der Maschine ist mir nicht bekannt. Sie war jedenfalls eine der letzten Geräte dieser Serie (Nr. 261 von 300), die Anfang der 80er Jahre gebaut wurden .

Betriebsstunden

Diese Studer A81 war lange Jahre im Einsatz beim ERF (Evangeliums Rundfunk) Wetzlar. So sammelte sie einige Betriebsstunden, 11357 stehen auf dem Betriebsstundenzähler.

Kopfträger

Einer der wenigen Verschleißteile die einem A81-Besitzer Sorge bereiten können sind der Aufnahme- und der Wiedergabekopf. Sie nutzen sich mit der Zeit ab, durch Reibung des Bandes, welches an ihnen vorbeiläuft. Diese A81 besitzt den kompletten Kopfträger einer anderen A81-Maschine (Nr. 277), welche nur 790 Stunden gelaufen ist! Es ist so gut wie kein Verschleiß vorhanden.

Butterfly-Köpfe

Bei den Köpfen handelt sich hierbei um sogenannte Butterfly-Köpfe in 1/4 Zoll. Diese haben den Vorteil, dass die Trennspur in der Mitte des Bandes (also der Bereich zwischen linkem und rechtem Kanal) kleiner ist, als bei herkömmlichen Köpfen, ohne dass es dabei zu Übersprechungen kommt. Also ohne, dass etwas von beispielsweise der rechten Spur vom linken Wiedergabekopf wiedergegeben wird. Da also diese Trennungsspur etwas kleiner ist, kann der Bereich auf dem aufgenommen wird folglich größer sein. Ob dies wirklich einen hörbaren Unterschied macht sei dahingestellt. Jedenfalls ist es eher besser als schlecher solche Butterfly-Heads zu haben.

VU Meter

Die VU-Meter Einheit ist eine Eigenentwicklung. Viel steckt da gar nicht drin an Elektronik, hauptsächlich die beiden Sifam R32AF VU-Meter und die Beleuchtung. Es gibt drei dazugehörige Kippschaltern am Gehäuse der Maschine. Der mittlere Schalter schaltet die Beleuchtung ein/aus. Mit den beiden äußeren wählt man, ob man das Eingangssignal oder das Ausgangssignal der Bandmaschine angezeigt haben möchte. Es gibt auch eine Mittelstellung, bei der kein Signal zum VU-Meter geleitet wird.

Das A(81)-Team

Die Revision

Addi Strobel führte die Revision der A81 durch. Er arbeitete früher als Servicetechniker in der Studio-Abteilung bei Revox/Studer. Als Revox produzierte man Hifi-Geräte für den Heimgebrauch, unter dem Namen Studer (des Firmengründers Willi Studer) wurden die Studiogeräte gebaut. 1994 kam es zur Trennung der beiden Firmenbereiche. Heute arbeitet Addi Strobel bei der Firma Revox im Schwarzwald. Ausserdem repariert und wartet er alte Revox und Studer Geräte und ist ein absoluter Spezialist, gerade auch für alte Bandmaschinen. Dass er nur 1 Autostunde von mir entfernt seine Werkstatt hat, ist für mich ein absoluter Glücksfall. Sehr zu empfehlen! Hier geht´s zu seiner Webseite.

Das Gehäuse

Mit der Firma Storz aus Freiburg fand ich den richtigen Schreiner für das neue Gehäuse der Maschine. Beratung und Komunikation mit Karlfred Storz klappten hervorragen und er war es auch, der mir empfahl Nussbaum zu verwenden – eine gute Wahl. Nach meinen Zeichnungen fertige er die einzelnen Elemente des späteren Gehäuses an. Den Zusammenbau und die Behandlung mit Öl übernahm ich dann wieder. Hier die Webseite der Firma.

Die VU-Meter

Mein Vorhaben, zwei große schöne VU-Meter an die Maschine anzuschließen bereitete mir einige Kopfzerbrechen. Fündig wurde ich dann bei Don-Audio. Aaron Hannappel leistete mir hierbei eine wertvolle Hilfestellung, so dass ich schließlich diese beiden wundervollen Sifam R 32AF MK4 VU Meter bei ihm orderte.

Die Gravur der Aluplatte

Ein kleines Detail, aber ein sehr schönes: die Aluplatte, in der die drei Schalter für die VU-Meter eingebaut wurden. Sehr professionell graviert von Andreas Wölfle aus Freiburg. Er führt ein Familenunternehmen fort, welches es schon seit 1886 gibt.

Tonbandspule

Natürlich hätte es auch irgend eine Tonbandspule getan. Aber ich hatte eine genaue Vorstellung davon, wie die perfekte Tonbandspule zu meiner Bandmaschine aussehen sollte. Schon recht schön und auch aus Metall ist diese Art Spule. Aber das war es noch nicht ganz und so suchte ich weiter. Schließlich fand ich die Firma Feinwerktechnik Allgäu GmbH, die genau das herstellt was ich suchte. Nach ein paar Mails und einem Telefonat mit Ralf Scheibner, einem der Inhaber, war klar, dass ich hier auf dem richtigen Weg war. Ich entschied mich schließlich für zwei Spulen im klassischen Technics Design. So muss für mich eine Spule aussehen! Doch auf tonbandspule.de finden sich auch andere sehr ansprechende Designs.

Danke an alle Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.